50 / 50 für Disneyland

Brav sind wir gestern früh ins Bett gegangen (das war auch das erste Mal möglich auf dieser Tour) um heute morgen um kurz nach acht nach Disneyland Tokyo aufzubrechen. Da hatten wir direkt auch das Gefühl wie voll es doch in der Rush Hour in den U-Bahnen werden kann. Mit etwas Umwegen, weil wir den richtigen Bahnhof nicht gleich gefunden haben, sind wir im Disneyland angekommen.

Mit ¥ 7400 p.P. ist der Eintritt schon ordentlich! Aber dafür ist es ja auch Disneyland! Und als ob Japans Wetter uns den Abschied besonders leicht machen wollte fing es auch pünktlich zum Eintritt in den Park an zu regnen, stark, dann wieder weniger, dann wieder mehr, dann weniger, dann mehr; zusammengefasst: es war nass. So haben wir uns gleich im ersten Laden im Park mit günstigen Capes augestattet und Volker hat kurzerhand, um nicht weiter klatschnass herumzulaufen, sein Mitbringsel angezogen. Na wenn das einer tragen kann dann doch wohl er!

Was Attraktionen angeht bietet das Disneyland die Klassiker-Mountain: Space, Big Thunder und Splash. Unser erstes Ziel war aber die StarWars 4D-Attraktion Star Tours. Vielleicht war’s aber auch ein Rave?

Dann haben wir auch das Fastpass-System verstanden. Du löst ein Warteplatz-Ticket, kommst dann zu der aufgedruckten Zeit zur Attraktionen und kannst dann, an der regulären Schlange vorbei, direkt einsteigen. Feine Sache, gleich Mal für Space und Big Thunder Mountain abgecheckt. Ersteres konnten wir dadurch entspannt um 13.30, zweiteres um 17.15 Uhr wahrnehmen. Dazwischen haben wir Smallworld besucht; eine eigentlich liebevoll gestaltete Puppenwelt mit einem furchtbar nervigen Lied, die vielen Kinderwagen vor der Tür hätten uns komisch vorkommen sollen. Aber es war im Trockenen. Wir waren in der Haunted Mansion,

die irgendwie gar nicht so gruselig war und deshalb Martin kurzerhand Maddes erschreckt hat, damit irgendwas passiert, im schweizerischen Baumhaus,

haben vorm Schloss gestanden,

Ananas-Bacon-Pizza und Cheese-Potato-Balls und

Fleischeis, äh, Truthahn-Keule probiert,

haben eine wilde Jungle-Fahrt gemacht,

wurden in Toon Town fast verhaftet,

bevor wir uns ins All haben schießen lassen.

Alles in allem war es sehr schön gestaltet,

die Darstellenden und Mitarbeitenden waren alle mega engagiert, aber dieser Regen!

Deshalb, und wegen dem Adrenalinpegel bei den Fahrgeschäften, steht es jetzt unentschieden für und gegen Disneyland. Insgesamt kommt es aber auf jeden Fall auf die „jetzt haben wir das auch Mal gemacht“-Liste.

Gegen 20 Uhr waren wir wieder im Hotel, Aufwärmen und Ausruhen. Den feierlichen Abschluss bot ein letzter Ramen. Und weil wir ja Nara-Ramen-Jünger sind und Ramen-san als Ramenverantwortlicher uns nicht irgendwas essen lassen kann, hat er den Nara-Ramen auch hier in Tokyo in Gehweite zu unserem Hotel gefunden.

Morgen geht’s schon wieder heim, aber wir melden uns nochmal mit einem Abschlussresümee am Wochenende, wenn wir direkt mal in Bamberg spielen. Bis da hin schon vielen vielen Dank, dass ihr (wieder) mit uns mitgekommen seid, どうもありがとうございます – Dōmo arigatōgozaimasu oder wie man so schön sagt „Alligator Gaißemaß!“

Outtabreaka – das Finale!

Gestern war eigentlich nicht viel mit uns anzufangen. Um nicht wieder zu viel Mitleid zu ersuchen, lassen wir das einfach so stehen. Wir haben alle endlich einmal anständig ausgeschlafen. Zum Frühstück gegen eins gab’s dann Sushi um die Ecke. In einem kleinen Separee wurde wir mit einem komplexen Auswahlmenü via Tablet konfrontiert. Aber Maddes hat die Situation fachmännisch gemeistert.

Zwei Sushi-Platten und eine Sushi-Bowl später (+ super leckere Misosuppe, Salbei-Pudding, in dem allerlei überraschend Snacks versteckt waren, und Mandarinengelee)

war es auch schon Zeit aufzubrechen zum Soundcheck in den Stadtteil Yotsuya ins Outbreak. Haben es gleich wiedergefunden, auch dank dem eindeutigen Schild vor der Tür.

Kurz noch eine Kleinigkeit essen

und ein Bierchen (ja, wir sind nicht minderjährig und ja, wir müssen nicht fahren)

trinken und darauf achten im Restaurant leise zu sein und nicht zu hupen (es gab sehr viele Hinweisschilder im Restaurant, die Geschichte dahinter ist sicher interessant).

Mit Freude haben wir dieses unschlagbare Angebot wahrgenommen:

statt der sonst üblichen 500 – 600 ¥ pro Bier. 28 für 10000 schaffen wir ja locker.

Im Outbreak als unsere letzte Location gebucht zu sein war perfekt. Bereits vor zwei Jahren hatten wir hier ein tolles Publikum und auch dieses Mal waren die Leute voll dabei.

Und eben auch Lee und Tyler waren mit am Start.

Es stand ja noch aus Maddes entsprechend für seine 100. Show bei uns zu ehren, (nein, keine Drummer in Geisha-Gewand!) und die großartige Stimmung im Outbreak schien uns angemessen. Wir haben ein T-Shirt gekauft, entsprechend beschriftet, feierlich übergeben

und anschließend alle unterschreiben lassen.

Es war übrigens das größte Shirt, das wir auftreiben konnten, kann aber niemals passen. Wir werden es wohl für ihn rahmen. (In diesem Zusammenhang passt auch die Geschichte kurz vor dem Auftritt gut. Wir liefen die Straße entlang, ein älterer Herr mit kleinem Kind an der Hand lief uns entgegen, sah Maddes, lachte ganz herzlich, zeigt auf Maddes Bauch, ahmte einen großen Bauch nach und ging immer noch lachend weiter. Muss ein besonderer Moment für den älteren Herren gewesen sein… Maddes ist eben the real Onaka-san (Bauch))

Neben unserem Tourabschluss war es auch zugleich der vierte und letzte Gig mit den Jungs von The Volts.

Wir haben uns sehr herzlich verabschiedet und sie haben uns auch gleich wieder eingeladen. Wir sie auch nach Deutschland, aber das können sie wohl nicht stemmen, sowohl was Urlaub als auch Kosten angeht.

Mit fast der letzten Bahn (die U-Bahnen Tokios fahren bis ca. 0 Uhr) sind wir zurück nach Akasaka gefahren. Kurzes Sortieren im Hotel und auf ins nächste Izakaya. Da haben wir uns sehr gut unterhalten, wieder mehr über die japanische Kultur und Gebräuche gelernt und eine relativ große Menge Sake konsumiert.

So mag es der Sake gewesen sein, der gegen drei aus Volker sprach und sagte „Kommt, wir gehen jetzt zum Karaoke!“

Gesagt getan – in einem kleinen Raum sangen wir zu den Liedern, die wir schon immer mochten, wenn auch mehr schlecht als recht. Vielleicht sollten wir lieber nichts mit Musik machen.

Dementsprechend früh suchten wir das Hotel auf als es schon wieder sehr hell war

und mittlerweile waren wir so müde, dass wir es kaum ins Zimmer schafften.

Den heutigen Tag haben wir dann alle irgendwie nicht so richtig erlebt, Volker hat sich massieren lassen und im Park ausgeruht,

die anderen eigentlich nur geschlafen. Kaum das es dunkel wurde brach aber schon wieder der Tatendrang durch – Volker: „Kommt wir gehen Fugu essen!“. Ja warum eigentlich nicht, wo sonst kommt man so leicht an Kugelfisch? Kann man die sich hier direkt aussuchen?

Um möglichst vielfältig zu probieren entschieden wir uns für Fugu als Sashimi,

gegrillt

und gekocht.

Als dann die großen Fischstücke kamen waren wir doch überrascht, dass er so frisch ist, das er sich noch bewegt!

Spoiler vorne weg: es geht allen, die gegessen haben, gut! Das Gift wirkt spätestens nach 2 h und als die vorbei waren haben alle sich nochmal aus dem Hotelzimmer gemeldet mit einem kurzen Lebenszeichen. Übrigens ist eine Vergiftung mit Kugelfischgift dadurch tödlich, dass es die Muskulatur lähmt, man stirbt an Herzstillstand oder Ersticken. Aber zurück zum Fisch, er war OK, aber geschmacklich nicht das Highlight des Lebens, das ist wohl eher die Gefahr dabei. Hier die Bilderserie von Maddes und Volkers erstem Bissen:

Maddes kommentierte es auch direkt mit „Hm, schmeckt nach Tod!“

Ansonsten sind wir jetzt auch schon wieder alle bereit zu schlafen; ist auch vernünftig, denn morgen haben wir Disneyland auf der To do! Also gute Nacht und bis morgen!

The Kanpai-Boys formerly known as Pennysurfers

Heute mussten wir langsam machen. Nachdem wir ja gestern in Iwata waren

sind wir heute schon wieder in Akasaka – Tokio.

Kommt einem so vor als seien wir erst eben in Tokio angekommen und zur Tour aufgebrochen, schon steht morgen, am Montag, am Tag der Alten (japanischer Feiertag), der Tourabschluss im Outbreak bevor. Aber noch schwelgen wir nicht in Erinnerungen, noch machen wir sie!

Deshalb erst einmal zurück zu gestern. Wir haben es ja schon angedeutet, Iwata ist jetzt nicht unbedingt das Sightseeing-Highlight unserer Tour, trotz der, für deutsche Verhältnisse, großen Einwohnerzahl, wirkt Iwata wie eine in die Breite gestreckte Vorstadt. Ein Bahnhof mit genau zwei Gleisen, da sind wir ganz anderes gewohnt. Auch fährt der Shinkansen hier nicht her, man muss im 12 min entfernten Hamamatsu umsteigen und mit einem Bummelbähnchen fahren. Das Hotel haben wir aus diesem Grund auch strategisch günstig direkt am Bahnhof gewählt, denn in der Stadt gibt es nichts und wir waren ja nur zum spielen und schlafen da.

Aufgrund der großen Distanz zu Osaka war uns der Soundcheck zeitlich nicht möglich, wir sind aber pünktlich zum Konzertbeginn im Livehouse eingetroffen. Das war wieder ein bisschen wie die ersten Erfahrungen vor zwei Jahren; als Ausländer waren wir augenscheinlich anders und fielen auf. Man war reserviert

und die Kontaktaufnahme schwierig, da die meisten nicht offenbarten zumindest etwas Englisch zu beherrschen. Um das Livehouse gab es nichts zu Essen und der nächste 7eleven (kleiner Supermarkt für alles) war unglaubliche 500 m weg. Das ist echt eine Distanz, normalerweise sind die Dinger alle paar Meter zu finden. Also willkommen auf dem Dorf!

Nach den ersten paar Bier und den ersten Bands,

wurde die Hemmschwelle aber schnell überwunden. Besonders der Besitzer des Livehouses, ein älterer Herr, gechillt in roséfarbenem Unterhemd und Basecap mit Hang zu Samurai-Kampfkunst, hat schnell den Kontakt zu uns aufgenommen und, moderner Technik sei Dank, über die Übersetzungsfunktion seines Handys mit uns gesprochen. Genial, wenn man sich das überlegt: keiner kann die Sprache des anderen und doch kannst du dich ganz normal austauschen! Und so kam es, dass Maddes plötzlich ein Samurai-Schwert in der Hand hatte, Volker einen Bademantel trug und sie das Führen eines Schwertes erläutert bekamen. (Keine Sorge, ist ein Kunststoffschwert, Volkers Arm ist unbeschädigt!)

Als vorletzte Band durften wir unser Können in den Ring werfen und wir müssen anerkennen, dass die anderen Bands bereits eindrucksvoll vorgeliefert hatten! Aber kaum das wir auf der Bühne waren, unser Bühnenbier bereit gestellt hatten (das bereits zu verwirrtem Gelächter führte, denn die anderen Bands trinken zumeist maximal Wasser, und wenn, dann nicht drei Bier p.P. in 30 min) und die ersten Lieder gespielt hatten, die immer mit einem allgemeinen „Kanpai!“ abgeschlossen wurden, waren wir aufgenommen in die Familie der family music stage. Fast hätten wir schon da das letzte bisschen Merch an den Mann gebracht, aber wir haben noch ein T-Shirt und drei CDs für morgen Abend übrig.

Nach der letzten Band waren wir etwas unschlüssig, was zu tun ist, zurück ins Hotel schien wenig verlockend, so spät war es ja noch nicht. Plötzlich wurde aber vor der Bühne aufgetischt. Da in Iwata nicht viel los ist hilft man sich einfach selbst und kocht und brät was das Zeug hält. So haben wir uns mit den anderen Bands, ein paar Gästen und den Leute vom Livehouse bei selbstgemachten Speisen der Mama des Mischers, frisch gekochter Misosuppe, kleinen frisch gebratenen Würstchen (die mit Ketchup und Basilikum mariniert wurden; klingt komisch, aber war echt lecker)

und Bier aus unglaublich großen Bierflaschen zusammengesetzt und einen wirklich schönen Abend gehabt!

Wir wurden auch online recherchiert und auf zwei Dinge angesprochen: 1. Den Bier-Buddha – すごい sugoi! (=wow) 2. Tomonori – ihr erinnert euch, der nette Typ im Eintracht Frankfurt Shirt.

Denn Tsujoshi ist ein Klassenkamerad von Tomonori.

Und mal ganz ehrlich, wie stehen die Chancen, dass, wenn du jemand aus Toyohashi bzw. Nagoya kennst, du seinen Kumpel zufällig in einem ganz anderen Städtchen triffst. Offensichtlich gut. Tsujoshi fand das auch genial und hat Tomonori gleich angerufen. Im Nachhinein fiel uns dann auch ein, dass Tomonori Fan von Jubilo Iwata ist. Lag eigentlich nahe. Korrektur der Redaktion: Er ist absolut gar kein Fan von Iwata; sein Herz schlägt für Shizuoka Pulse! Und da unsere ursprüngliche Behauptung vergleichbar wäre in seiner Tragweite mit Schalke/Dortmund geht das natürlich gar nicht! ごめんなさい

Irgendwann muss man aber auch das schönste Fest verlassen und so sind wir nach großem Abschied, dem Versprechen wiederzukommen und einer Vielzahl neuer Freunde zurück ins Hotel gewandert. Einige haben dafür mehr Wegstrecke gebraucht als andere, für die war der Heimweg, dem Whiskey und Schnaps geschuldet, etwas kurvenreicher. Und die haben dann auch den Wecker heute morgen mehr als störendes Nebengeräusch wahrgenommen, anstatt ihm Folge zu leisten. Letztlich haben wir aber alle zusammen gefunden und den Weg nach Tokio angetreten. Großes Glück hatten wir dieses Mal den Fuji zu sehen!

1,5 Bento später waren wir auch schon da (den mentalen Zustand im Hinblick auf Schlafmangel oder Kater mal außen vor gelassen).

Vor dem Einchecken einen Aufbau-Ramen,

der Parade und Cheerleader-Show zuschauen (dachten schon die empfangen uns hier so feierlich, jetzt ist aber nur Herbstfest in Akasaka, naja…)

und dann etwas Ausruhen bis zum Abend, der für Erledigungen und einen Besuch unseres Stamm-Izakaya um die Ecke genutzt wurde. Und wer hat uns da begleitet? Tyler und Lee aus Nagoya, die sind extra 7 h (!!) mit dem Bus angereist um morgen bei unserem Tourabschluss am Start zu sein!

Dementsprechend müssen wir jetzt alle Kräfte sammeln, bevor wir dann morgen Abend nochmal alles geben!またね Mata ne – wir sehen uns wieder!

Osaka mol, des war doch ebbes!

Berichten wir von unserem gestrigen Tag. Es blieb ja nicht viel Zeit und wir wollten auch noch etwas von Osaka sehen, das wir bisher noch nicht kannten. Also auf zum Osaka castle.

Die Geschichte des Schlosses geht 450 Jahre zurück, auf eine Zeit der Bürgerkriege Japans. Mehrmals zumindest teilweise zerstört, zumeist durch Kriege (zuletzt im 2. Weltkrieg), aber auch, aufgrund der feueranfälligen Holzkonstruktion, durch Blitzeinschlag, steht das Schloss in seinem jetzigen Zustand seit 1956. Nach seiner Restaurierung in den 90ern wurde es weiter zu einem Museum mit Aussichtsplattform ausgebaut. Das Schloss selbst erreicht man durch eine große Parkanlage, immer wieder durchzogen von Steinwälle, die in sich schon beeindruckend sind; um die 1 Mio Steine sollen hier verbaut sein. Den Eingang des Schlosses erreicht man durch das Westtor.

Das aus japanischem Kirschholz erbaute Tor wird von zwei Steinen eingerahmt, die Tiger- und Drachenstein genannt werden. Bei Regen sollen ein Tiger bzw. Drache sichtbar werden.

Von der Aussichtsplattform hat man einen beeindruckenden Blick über Osaka.

Die im Museum ausgestellten Artefakte dürfen leider nicht fotografiert werden, aber es waren beeindruckende Kriegsrüstungen der Samurai ausgestellt, viele alte Schriftrollen und eine Nachbildung des goldenen Teezimmers des damaligen Herrschers. Zwar nur 3 qm groß, aber im Wert sehr teuer, da neben dem Gold japanische Zypresse verwendet wurde, die, wie wir von Nagoya castle wissen, verdammt teuer ist. Außerdem haben sie geschafft einen kompletten Raum mit Schiebetüren zu bauen – mit nur einem einzigen Nagel. Da kann sich IKEA noch eine Scheibe abschneiden!

Danach blieb auch schon nicht mehr viel Zeit, zurück zum Hotel (kurzen Zwischensnack um nicht plötzlich zu verhungern, der Magen muss ja gedehnt bleiben)

und auf ins Sinkagura zum Soundcheck, 5 min Gehweite vom Hotel. Danach nochmal kurz ausruhen, osaka-typische Tintenfischbällchen probieren

und auf in die Nacht. Als wir ankamen war gerade erste Band am Werk. Zum Schluss trugen sie nur noch recht wenig und beim Schlagzeuger weiß man gar nicht, wie er aussieht.

Cool war übrigens, dass wir wieder mit Bobby gespielt haben, die wir vor zwei Jahren kennengelernt haben. Trikottausch muss sein:

Und tatsächlich war es auch wieder unser Publikum!

Sehr gefreut haben wir uns über das geschenkte T-Shirt von Takahashis Band, dass in der Optik gewisse Ähnlichkeit zum Design der Descendants aufweist.

Zusammen mit Daniel, Engländer, der in Japan lebt, und den Jungs von Bobby sind wir dann noch ins OKO, einem versteckten Laden, in dem es (schon wieder) Okonomiyaki gibt. Frisch zubereitet in einer winzigen Küche.

Eine totale Völlerei, aber Augen verschließen bringt nichts.

Musikalisch haben wir auch hier gleich weiter gemacht, in einer Akustikversion von „In der Tschechoslowakei“ und „20 Flaschen Becks“, sehr zur Freude des japanischen Publikums.

Irgendwann war auch der letzte Bissen vertilgt und wir sind schlafen gegangen, denn heute morgen ging es weiter gen Iwata (2,5 Bento entfernt, obwohl es dieses Mal auch etwas anderes gab),

ein für japanische Verhältnisse, kleines Städtchen mit rund 167.000 Einwohnern. Bis auf den Erstliga-Fussball-Verein und den Hauptsitz Yamaha Motors hat Iwata eigentlich nichts zu bieten und in unseren bisherigen Tourstädten kannte niemand dieses kleine Örtchen.

Auf der Fahrt hierher sind wir wieder durch viele Orte gefahren, natürlich sehr schnell, weil Shinkansen. Dabei fällt auch immer deutlich der Unterschied auf, denn alles ist sehr sehr dicht und verwinkelt bebaut, kaum bis keine Grünflächen oder Bäume dazwischen.

Und heute Abend dann auch bereits wieder ein Gig. Der vorletzte der Tour und viel wichtiger: Maddes 100. mit den Pennysurfers. Wenn das nicht feiernswert ist!

Konstant 100% geht nicht…

…denn nach nahezu zwei Wochen Tour sind wir so langsam urlaubsreif. Obwohl es vorgestern nicht besonders spät geworden ist (obwohl mit dem Hotelzimmerabschlussgetränk war es doch 3 Uhr) mussten ja unter anderem auch die Dosen für den Bierbuddha bereitgestellt werden und die 30°, die wegen der hohen Luftfeuchte weitaus wärmer sind, fordern auch ihren Tribut. Außerdem sind wir ständig unterwegs und bisher acht Auftritte in sechs Städten in nicht ganz 14 Tagen, das ist schon anstrengend. Deswegen bedauern wir von gestern wenig Highlights bieten zu können, aber wir haben einfach mal etwas langsamer machen müssen. Genug des Mitleid heischen, was haben wir gestern getrieben?

Nach dem Zusammenpacken haben wir gegen halb 12 noch einen Frühstücks-Ramen zum Abschied verzehrt. Dann wieder in die Kintetsu-Bahn und eine knappe halbe Stunde später waren wir schon in Osaka.

Dieses Mal befindet sich unser Hotel in Sinshaibashi, genauer Amerika-mura,

einem der belebten und verrückten Stadtteile Osakas. Da wir erst um 15 Uhr einchecken durften, mussten wir irgendwie eine Stunde überbrücken. Bisschen schlendern und in eine Flipper-Arcade stolpern. Wie im Flipper-Paradies! Ninja-Turtles oder Adams-Family, vielleicht auch StarWars oder Guardians of the Galaxy? Lieber musikalisch? Dann Kiss, Stones oder Beatles? Oder etwas mehr Action mit Terminator oder Bond? Da kann man sich wirklich nur sehr schwer entscheiden!

Als wir uns dann von den Flippern lösen konnten war es auch schon Zeit einzuchecken. Anschließend haben wir uns aufgeteilt. Teile von uns haben das Aquarium besucht um nachzusehen, was sich in den vergangenen 2 Jahren verändert hat.

Andere sind ein wenig durch die Gegend geschlendert um Erledigungen zu erledigen und um die lebhafte Atmosphäre Osakas zu genießen. Dotonburi,

vorbei am Hozenjin Tempel, einem im 17. Jahrhundert erbaute buddhistischen Tempel, von dem, nach den Bomben des zweiten Weltkrieges, nur noch zwei Gebäude und eine Statue des Fudo Myo-o übrig geblieben sind.

Fudo ist ein spirituelles Wesen des Buddhismus, das für einen ernsten und starken Charakter steht und eigentlich zumeist sehr böse schaut. Aber weil vor ca. 80 Jahren eine Gläubige Wasser auf die Statue gespritzt hat und ihr im Gebet geäußerter Wunsch danach auch noch in Erfüllung ging, machen das seitdem alle so, wehalb dieser Fudo ganz moosbewachsen und fluffig ist.

Kurz darauf war Sammelpunkt in Shinsekai mit dem Ziel sich den Tsutenkaku anzuschauen. Der 103-m-hohe Sendeturm wurde 1956 erbaut. Ebenso, wie sein zerstörter Vorgänger, lehnt er sich in der Architektur an den Eifelturm an, wenn auch weitaus nüchterner. Die Lichter an seiner Spitze geben die Wettervorhersage für die kommenden Tage bekannt.

Auf die Aussichtsplattform haben wir es leider nicht mehr geschafft, dafür war es schon zu spät. Gerüchteweise haben wir vernommen, dass der Eindruck entsteht, dass wir sehr viel Zeit damit verbringen große Mengen Essen zu verzehren. Das ist so nicht ganz korrekt, das Essen ist nur oft sehr spektakulär und erwähnenswert, weshalb ihm hier so viel Raum gegeben wird. Und wir können uns auch zurückhalten, gestern Abend zum Beispiel: Okonomiyaki –

auf einem Tischgrill zubereitetes Omlette mit verschiedenen Zutaten und Nudeln getoppt mit einer Art Barbecue-Soße und einem großen Löffel Mayonnaise. Ja okay, danach sind wir nur noch langsam gegangen und waren uns einig so schnell nichts mehr zu essen.

Shinsekai ist ein Viertel voller Unterhaltung und Restaurants. Man kann seinen eigenen Fisch fangen und zubereiten lassen, Kugelfisch probieren,

und Glücksspiel fröhnen. Überall sieht man auch Billiken-Statuen.

Die kleine Figur soll Glück bringen, ist der Gott der Dinge, wie sie sein sollten. Gerade in Osaka ist er immens verbreitet. Entworfen wurde er allerdings von einer Kunstlehrerin in 1908 in Kansas, USA, und hat es irgendwie nach Japan und besonders Osaka geschafft.

Wir müssen uns entschuldigen, dass wir heute so spät dran sind, wie gesagt, wir sind nicht ganz so fit. Aber nachher steht schon wieder ein Auftritt an, im Sinkagura. Und dafür sind wir zu 100 % wieder da! Soundcheck war schon mal perfekt!

Du sollst keine anderen Ramen neben mir haben…

Nach Nara sind wir gekommen,

das haben wir ja bereits gezeigt; mit der Kintetsu-Line sind wir gefahren. Für alle, die auch einmal Japan bereisen möchten, ist interessant zu wissen, dass der Japan Rail Pass natürlich eine geniale und preislich attraktive Möglichkeit ist, sich zwischen Städten hin und her zu bewegen, kleinere Städte oder kleinere Bahnhöfe in größeren Städten hingegen werden von privaten Bahnunternehmen betrieben. Kyoto – Nara kostet ca. 5,20 €, dafür sind wir dann aber auch in unmittelbarer Gehweite von Hotel als auch, wie Martin schon anmerkte, DEM Ramen. Dr. Volker hatte uns gestern detailliert aufgeklärt, welche Optionen wir für das Erreichen von Nara haben:

Wie bereits vor zwei Jahren, sind wir wieder im Hotel Halftime (wobei Halbzeit für unsere Tour bereits vergangenen Montag war), sogar die gleichen Zimmer. Gegen halb eins waren wir da, konnten gleich einchecken und dann auf in das heiligste Naras, den Tonkotsu-Ramen-Laden unserer Träume.

Vor einiger Zeit haben wir bereits sinniert welche Superkräfte jedes Bandmitglied hätte, wenn denn welche zu nennen wären. Wirklich einig waren wir uns bei Martin, der in jeder Stadt (somit auch außerhalb Japans) das japanische Essen finden kann und das Restaurant für DEN Ramen benennen kann. Dieser Ramen, eine Mischung aus Gewürzen, einer Einlage aus Schweinefleisch, dazu Frühlingszwiebeln, Bambus, mit gerade perfekt gekochten Ramen-Nudeln in einer Suppe aus halb Hühner-/halb Gemüsebrühe. Ein geschmackliches Gedicht! Unvergleichlich!

Beim Rausgehen sind uns zwei Dinge aufgefallen:

1. Unser Plakat hängt an der Tür.

2. Entweder wir werden uns immer ähnlicher oder wir haben alle nicht mehr viel zum Anziehen oder es gab geheime Absprachen und keiner hat es Martin gesagt.

Danach haben wir uns auch gleich bereit machen um pünktlich zum Soundcheck zu kommen. Das Livehouse Neverland

ist nur knappe 400 m vom Hotel weg. An Gig-Tagen haben wir immer recht wenig Zeitspiel; zumeist zwischen 16 bis 17.30 ist Soundcheck, gegen 18 Uhr öffnet das Livehouse und 4 bis 6 Bands spielen im 45-min-Takt. Da wir heute schon um 15.30 gesoundcheckt haben, blieb anschließend noch etwas Zeit auf dem Zimmer den Ramen und die Anstrengungen der Tour setzen zu lassen. Ihr dürft nicht vergessen, wir sind ja nicht zum Spaß hier, wie Maddes fremdsprachigen Gesprächspartnern immer erläutert „It’s a business trip!“.

Pünktlich zum Showbeginn waren wir wieder im Neverland, heute nur mit japanischen Bands. Reona, der Besitzer, war dieses Mal gut auf uns vorbereiten. Das Trauma von vor zwei Jahren, das wir ihm den Kühlschrank vollständig von Bier befreit haben, hat dafür gesorgt, das er vorgesorgt hat und ausreichende Bier-Vorräte besorgt hat. Und auch haften blieb der Bierbuddha, eigentlich nichts anderes als die triumphale Stapelung aller geleerten Bierdosen. Hier von 2017:

Dieses Mal wurde direkt ein Tisch bereit gestellt für das Vorhaben. Das war Martin aber keine Herausforderung mehr, höher – weiter – schneller!

Was liegt da näher als den Bierbuddha draußen und über das Dach hinaus zu bauen. Wir müssen so ehrlich sein, statisch wäre die Umsetzung nicht ohne klebende Unterstützung möglich gewesen und auch mussten dafür einzelne Bandmitglieder das Dach erklimmen

um letzte Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Letztlich waren wir aber alle gemeinsam erfolgreich und haben dem Neverland ein Pennysurfers-Denkmal gesetzt.

Der Gig selbst war super, Nara läuft einfach; zu den Gästen des Livehouses passen wir und unsere Musik!

Reona ist auch sehr um unser leibliches Wohl besorgt, Kanpai,

Kanpai,

und für Reona mussten wir wieder Color of the flag spielen.

Und der Abschluss war wieder im Tenkaippin,

dem Ramen-Lokal unseres Vertrauens, dieses Mal tatsächlich auch mit dem Besitzer des Restaurants. Der hatte nämlich mit seiner Band auch im Neverland gespielt. Und weil es ihm so gut gefallen hat mussten wir uns unter unserem Plakat auf der Wand verewigen.

Noch eine typisch japanische Gruppen-Verschiedung mit großem Dankeschön an alle,

bei der uns wieder das Versprechen abgenommen wurde unbedingt wiederzukommen.

Jetzt müssen aber Onaka-san, Ojicha-san, Biru-san und Ramen-san erst Mal weiter nach Osaka!

Kyoto hat ja noch mehr zu bieten…

Wir haben es ruhig angehen lassen, irgendwann muss man ja auch Mal schlafen. Am frühen Mittag sind Teile von uns nach Higashiyama aufgebrochen. Hier befindet sich der eher traditionelle Distrikt mit kleinen Holz-Häuschen, wie man sie in Japan erwartet. Ein Spaziergang durch das Viertel führte hinauf zu einem Tempel, den die eifrigen Mitlesenden vielleicht wiedererkennen.

Die Sicht auf Kyoto war wunderschön und das Zusammenspiel modern-traditionell beeindruckend.

Natürlich haben auch viele Touristen den Kiyomizu-dera Tempel angesteuert. Für das richtige Fotomotiv wird einiges in Kauf genommen. Da lichtet auch Mama schon mal ihren Junior in provokanten Posen ab.

Durch die engen Gässchen ging es wieder bergab.

Zwischendurch war immer wieder ein Blick auf die Stadt zu erhaschen.

Das Wetter sieht zwar bedrohlich aus, aber tatsächlich ist das Gewitter in einiger Distanz nieder gegangen und brachte so für Kyoto eine leichte Abkühlung. Der Osten der Stadt beherbergt eine Vielzahl an Tempeln und Schreinen. Hintergrund ist unter anderem der Schutz, den die buddhistischen Glaubensgemeinschaften der Stadt gegen die bösen Geistern aus dem Osten geben wollten. So stolpert man immer wieder in einen Tempel, Zen-Garten oder Schrein

bis man das Viertel Gion erreicht.

Zwischenzeitlich haben auch die restlichen Bandmitglieder es geschafft ihre Betten zu verlassen, Nahrung zu sich zu nehmen und sich in das 20 Busminuten entfernte Gion aufzumachen.

Das Viertel beherbergt viele Teehäuser und ist sowohl Ausbildungsort als auch der Ort an dem Geishas ihrem Beruf nachgehen. Geishas sind tatsächlich Allrounder der Unterhaltung. Zumeist fließend in mehreren Sprachen, traditionellen Zeremonien, Gesang, Theater und weiteren schönen Künsten. Einer Festivität mit einer Geisha beizuwohnen ist etwas ganz besonderes und Ausländern zumeist nicht möglich. So leider auch uns. Einzig ein paar Maikos, Geishas in Ausbildung, sind an uns vorbei gegangen. Aber auch so ist Gion sehr sehenswert.

So langsam hat uns aber auch der Hunger gepackt. Ist ja vielleicht schon aufgefallen, so wirklich wesentlich war das Essen an diesem Tag bisher nicht. Also auf nach Ponto-cho, denn es vereint zwei Dinge – Restaurants und Kneipen.

Wenn auch hübsch anzuschauen, waren die Preise in den engen Sträßchen

so überteuert, dass wir weiterzogen. Letztlich fanden etwas weiter weg ein Lokal, dass allen zusagte, Grillen am Tisch. Volker wollte von Anfang an nur eine Kleinigkeit essen, Franco sogar gar nichts. Was liegt da also näher, als sich für knapp ¥ 3700 p.P. ein Auswahlmenü mit Getränkeflat zu bestellen. Franco ist begeistert!

Prinzip war wie folgt:

1. Aus dem Menü gewünschte Speisen auswählen (verschieden marinierte Fleischsorten, Gemüse, Beilagen…)

2. Über iPad mit Bestellnummer immer wieder und wieder bestellen

3. Auf den Tischgrills grillen

4. Irgendwann völlig überfressen sein!

Aber lecker war es und wieder was ganz anderes. So einen Tisch für Zuhause braucht jeder!

Danach haben wir uns aufgemacht in das Kyoto Beer Lab, einer Microbrauerei in der Nähe des Bahnhofs. Der australische Braumeister ist der Schlagzeuger einer der Bands mit denen wir hier in Kyoto gespielt haben. Dort angekommen war die Suche nach dem geeigneten Bier schwierig, Wassermelone, Himbeere oder auch Macadamia und noch einige andere. Maddes, mit seinen feinen Geschmacksnerven, war schnell zu begeistern, vor allem vom Salty Wasabi. Wir anderen brauchen noch etwas um uns vollends dafür zu öffnen.

Tagesabschluss im Irish Pub in Hotelnähe, um doch in den Genuss eines klassischen Kirin zu kommen. Maddes und Franco sind etwas länger geblieben, die beiden scheinen auf einer Mission, denn in allen Zwischenstopps werben sie Publikum für den Gig heute Abend im Neverland in Nara an. Wenn alles nach Plan geht finden sich dort Engländer, Österreicher und Niederländer ein. Wir sind gespannt.

Wesentlich in Nara ist ohnehin der Ramen. Der hat so einen bleibenden Eindruck hinterlassen, dass man fast sagen kann, dass die gesamte zweite Japan-Tour ihren Ursprung in dem Verlangen nach diesem Ramen hat. Ihr werdet es später detailliert beschrieben bekommen. Aber jetzt fahren wir erst mal hin.